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in-sights: the future of management

Rare Birds - Gender Shift @ Work

AUS DER SERIE GENDER SHIFT – IN-SIGHT 3
Den ersten in-sight lesen Sie hier und den zweiten hier.

 

Warum Männer in sozialen Berufen immer noch eine Rarität sind


Woran liegt es, dass Männer in sozialen Berufen fehlen? Nur an der schlechten Bezahlung? Oder ist eine der Ursachen darin zu sehen, dass es nach wie vor als "unmännlich" gilt, beispielsweise den Beruf eines Kindergärtners auszuüben? Der Ruf nach mehr Männern wird – und ist – jedenfalls laut.


Männer sind gefragt. Denn immer noch ist die Verteilung der Geschlechter in sozialen und pflegerischen Berufen sehr unausgeglichen. Laut Statistik Austria waren im Jahr 2017/18 nur 1,9 Prozent aller in österreichischen Kindergärten und -krippen tätigen Personen Männer. In Betreuungs- und Pflegeberufen sind es Ende 2016 immerhin schon 15,6 Prozent gewesen. Wissenschaft und Gesellschaft sind sich jedenfalls einig: Vor allem Kinder brauchen sowohl weibliche als auch männliche Bezugspersonen, um sich ganzheitlich entfalten zu können.

Die Frage, warum sich so wenige Männer für soziale Berufe entscheiden, hat unterschiedliche Ursachen. Großen Anteil haben sicher die stereotypen Rollenbilder, welche die Berufswahl junger Männer stark beeinflussen: Oftmals wird der zukünftige Beruf mit Blick auf die Eltern und ihren beruflichen Werdegang oder auf die Peergroup gewählt. Das führt dazu, dass die meisten jungen Männer in Berufe drängen, die „typisch männlich“ sind. [1]

Für Jugendliche ist es nämlich äußerst wichtig, dass der gewählte Beruf einen positiven Einfluss auf die geschlechtliche Außendarstellung hat – das Berufsimage und die damit verbundene gesellschaftliche Anerkennung sind somit immer ausschlaggebende Motive für die Berufswahl. [2]

Ali Mahlodji, Gründer der Internetplattform whatchado, plädiert dafür, sich bei der Berufswahl nicht von Vorstellungen und Wünschen anderer beeinflussen zu lassen und seine eigenen Ideen zu entwickeln. "Stellt alles infrage, was ihr von Erwachsenen hört. Hört auf euer Herz und auf das, was ihr wirklich machen wollt. Die Welt braucht mehr Männer, die sich auch in Berufe trauen, die bisher keine klassischen Männerberufe waren." [3]

Falsche Vorstellungen von sozialen Berufen bzw. die Unwissenheit über die Vielfalt an Berufsbildern tragen Mitschuld daran, dass es wenig männliche Vorbilder im sozialen Bereich gibt. Dazu kommt der unausgesprochene Generalverdacht des sexuellen Missbrauchs, unter dem Männer in Pflegeberufen stehen – eine massive Diskriminierung. Verwunderlich ist hingegen, dass die geringen Verdienstmöglichkeiten kein ausschlaggebender Faktor für den geringen Zulauf sind, wie eine Studie des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt. [4]

 

"Stellt alles infrage, was ihr von Erwachsenen hört. Hört auf euer Herz und auf das, was ihr wirklich machen wollt."

Ali Mahlodji

Auch die teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen, wie unregelmäßige Arbeitszeiten und hohe Arbeitsbelastung, die in diesem Berufsstand herrschen, sind mitverantwortlich für den Mangel an männlichen Fachkräften. Es ist nämlich davon auszugehen, dass verbesserte Bedingungen sehr schnell auch für einen höheren Anteil der Männer in Sozialberufen sorgen würden.

Die Gründe für den Mangel an männlichen Fachkräften im Sozialbereich sind vielfältig und liegen mehrheitlich in einem Verharren in veralteten gesellschaftlichen Rollenbildern. Der laute Ruf nach Männern hat daher durchaus seine Berechtigung und passt zu den modernen Gleichberechtigungsansprüchen. Gleichzeitig reproduziert er aber auch hegemoniale Männlichkeit. Denn wie schon so häufig in der Vergangenheit werden Männer damit zu Erlösern von der weiblich-pädagogischen Übermacht stilisiert. Männer sollen verkörpern, was Frauen nicht verkörpern können – „männliche“ Ideale –, aber warum können Frauen das eigentlich nicht? Sua natura? Geht es dann also wieder um traditionelle Geschlechterordnung statt des Aufbruchs zu neuen Ufern? [5] 

 

Und hier noch ein sehenswertes Video von und mit Ali Mahlodji. 

II


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QUELLEN UND LESETIPPS

[1] www.zukunftsinstitut.de/artikel/ungendering-work-eine-neue-arbeitswelt/

[2] Budde, Jürgen, and Ingelore Mammes, eds. Jungenforschung empirisch: zwischen Schule, männlichem Habitus und Peerkultur. Springer-Verlag, 2009.

[3]  karriere.sn.at/karriere-ratgeber/neuigkeiten-trends/maenner-sind-in-sozialen-berufen-eine-raritaet-aber-warum-61180213 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2018

[4]  https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/ungendering-work-eine-neue-arbeitswelt/

[5]  Sozial Extra 7|8 ’11, Springer Verlag - https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs12054-011-0305-7.pdf

 

Die Autorin

Teresa Kier
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Die Wirtschaftswissenschafterin und Kommunikationsexpertin ist laufend "am Puls der Zeit" und veröffentlicht hier immer wieder "in-sights" zu aktuellen Trends, die Einfluss auf Unternehmen und deren Organisationskultur haben.