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Wie verspielt & kreativ ist Ihr Unternehmen?

Klaudia Weber im Gespräch mit  dem Dark-Horse-Mitbegründer Fried Grosse-Dunker

AUS DER SERIE NEW WORK & DARK HORSE - IN-SIGHT 3

 

Der Büroklammern-Test: Warum Sie Ihren Mitarbeitern ermöglichen sollten, sich mit einem Thema offen, unsystematisch und experimentierfreudig zu beschäftigen


Kennen Sie den "Büroklammern-Test"? Nein? Er ist auch als "Alternative-Verwendungszwecke-Test" (Alternative Uses Test) bekannt und zeigt, wie kreativ man ist.


Die Aufgabe lautet, sich neue, originelle Verwendungszwecke für eine Büroklammer auszudenken, und zwar so viele wie möglich innerhalb kurzer Zeit. (Es kann auch ein anderer Gegenstand sein, beispielsweise ein Ziegelstein.) Die Punktezahl ergibt sich aus der Anzahl und der Originalität der Ideen. Entwickelt wurde dieser Test vom Psychologen Joy Paul Guilford – und zwar bereits im Jahr 1950. Er wird bis heute von zahlreichen Forschern verwendet, um die Kreativität von Menschen zu messen. [1]

Ich muss gestehen, bis zu meinem Gespräch mit Fried Grosse-Dunker - einem der Mitbegründer von Dark Horse - kannte auch ich diesen Test nicht. Das Innovationshaus ist für seine unkonventionellen Lösungsansätze bekannt – und dafür, dass die Menschen dort gerne arbeiten, weil sie Spaß bei ihrem Schaffen haben.

Ich wollte wissen, wie der Arbeitsalltag bei Dark Horse konkret aussieht und ob tatsächlich Spiel & Spaß dominieren. Dabei erfuhr ich unter anderem, dass

  • uns Kinder im Vorschulalter hinsichtlich Kreativität und Ideenreichtum weit voraus sind,
  • Spiel & Spaß für divergentes Denken und innovatives Problemlösen wichtig sind,
  • Dark Horse trotz Spaßfaktor wie ein "strenges" Kloster organisiert ist.

 

in-manas im Gespräch mit Fried Grosse-Dunker

 


Fried ist Entrepreneur, Innovationsberater und Dozent. Er lebt seit 10 Jahren in Berlin und hat mit 29 Mitbegründern die Innovationsberatung Dark Horse aufgebaut. Gemeinsam mit ihnen hat er auch das Buch “Thank God It’s Monday” geschrieben. Darin zeigen die Jungunternehmer auf, dass Arbeit auch Spaß machen darf und nicht länger als „lästiger Schnupfen“ empfunden werden muss, der von Montag bis Freitag andauert. Warum bei Dark Horse nicht alles allzu "ernst" genommen wird, erfahren Sie in diesem Interview.


in-manas: Fried, wie sehr ist euer Denken und Arbeiten von Spiel und Spaß geprägt? Oder anders gefragt: Ist der Spaßfaktor bei euch dominant?

Fried Grosse-Dunker: Ich glaube nicht, dass bei uns Spiel und Spaß DOMINIEREN – in dem Sinne, dass wir jeden Morgen zuerst einmal ins „Bällebad“ tauchen, danach drei Stunden „Kicker“ spielen, dann fünf Minuten lang vor dem Laptop sitzen und uns im Anschluss daran ein Brainstorming-Post-it nach dem anderen entgegenwerfen. So ist es also bei uns definitiv nicht. Aber wir legen SEHR GROSSEN WERT auf „Spiel und Spaß“, und zwar deshalb, weil wir finden, dass die "Arbeitswelt" generell viel zu leicht in eine starke "Ernsthaftigkeit" verfällt. Und das ist nicht unbedingt förderlich, was das kreative Denkvermögen betrifft. Das zeigen auch wissenschaftliche Tests bzw. Studien, die die Kreativität von Kindern unterschiedlicher Altersstufen, aber auch von Erwachsenen messen...

in-manas: Wie kann man sich diese Tests vorstellen?

Fried Grosse-Dunker: Man hat Kindern verschiedene Gegenstände gegeben – zum Beispiel  Büroklammern – und sie dann gefragt, was man denn damit alles machen könnte: in welchen Situationen bzw. für welche Zwecke diese Gegenstände nützlich wären. Die Anzahl und Originalität der Ideen und Vorschläge dienen als Vergleichswert für die Kreativität, ab einer bestimmten Punktezahl gibt es das Prädikat GENIAL.

in-manas: Das heißt ...?

Fried Grosse-Dunker: Das heißt, dass diese Kinder sich als deutlich kreativer als Erwachsene erwiesen, Lösungen zu entwickeln. Sie schienen also ein viel stärkeres DIVERGENTES DENKEN ausgeprägt zu haben - ein Denken, das sich offen, unsystematisch und experimentierfreudig an Problemlösungen herantastet. Diese Tests hat man bei Kindern im Vorschulalter gemacht, dann erneut in der Grundschule und später dann in den weiterbildenden Schulen. Und schlussendlich hat man diesen Test auch an Universitäten bzw. im Arbeitsleben wiederholt. Man hat sich also angeschaut, wie sich divergentes Denken im Laufe der Zeit entwickelt. 


RANDBEMERKUNG
@divergentes Denken

Die Gedanken von einem Punkt aus in ganz unterschiedliche Richtungen „schweifen“ zu lassen, ist die Grundidee des "divergenten Denkens", ein von J.P.Guilford geprägter Begriff. Ein offenes, unsystematisches und spielerisches Herangehen an Aufgaben und Problemstellungen steht dabei im Vordergrund und soll helfen, Denkblockaden und „Selbstzensur“ auszuschalten. [2] [3]


in-manas: Und das Ergebnis?

Fried Grosse-Dunker: Sehr ernüchternd, würde ich sagen: Im VORSCHULALTER haben 97 Prozent der Kinder das Prädikat „genial“ bekommen. 97 Prozent der Kinder haben also dermaßen viele Anwendungsmöglichkeiten für eine Büroklammer gefunden, dass man das gemeinhin als genial bezeichnen würde. Und jetzt „fast forward“ zum ARBEITSLEBEN: Der Anteil der „Genies“ ist hier auf drei Prozent gesunken! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Nur noch drei Prozent der im Berufsleben stehenden Menschen haben die Fähigkeit, genial „divergent“ zu denken.

in-manas: Was sind deiner Meinung nach die Ursachen dafür? Wie kommt es, dass auf dem Weg zum Erwachsenwerden dermaßen viel Potenzial "auf der Strecke" bleibt?

Fried Grosse-Dunker: Ich denke, dieses kreative Potenzial wird durch die Art und Weise verschenkt, wie wir Kinder  in unserem Bildungssystem erziehen. Damit meine ich, dass Kindern kaum mehr die Möglichkeit gegeben wird, ihre Fantasie "spielen" zu lassen. Kinder brauchen Frei- und Experimentierräume, in denen sie sich für etwas begeistern können, ohne dass das Ergebnis von Erwachsenen als "richtig" oder "falsch" eingestuft wird. Leider ist jedoch bei sehr vielen Kindern jede Minute getaktet und nach einem strengen Plan organisiert. Da bleibt kaum Zeit für "Spinnereien" oder fürs "Tagträumen". Das sind meiner Meinung nach die Hauptgründe. Ich bin aber auch der Meinung – und das ist jetzt meine subjektive, zugespitzte These –, dass wir unser divergentes Denken, und damit unser Kreativitätspotenzial, durch zuviel Ernst zerstören.

in-manas: Und deshalb  wird bei euch der Spaßfaktor "groß" geschrieben? 

Fried Grosse-Dunker: Ja, denn wir müssen ja auch laufend die Dinge von einem Punkt ausgehend "divergent" betrachten, um schlussendlich auf sämtliche Nutzerwünsche und -bedürfnisse "antworten" zu können. Wir wissen inzwischen aus Erfahrung, dass eine spielerische Herangehensweise – oft reicht auch schon eine ironische Distanz – dazu verhilft, Dinge "neu" zu denken und neue Lösungen zu finden. Mit Spaß kommt man häufig auf bessere Ergebnisse als wenn man versucht, die Dinge verkrampft und rein rational zu lösen. Das mag für manche Aufgabenstellungen der richtige Weg sein, aber nicht, wenn Kreativität über den Erfolg entscheidet. Für uns sind Spaß und Spiel nicht nur Selbstzweck, sondern auch ein kulturelles Instrument, um erfolgreich zu innovieren.


RANDBEMERKUNG
@Dark Horse
 

Übrigens: Dark Horse hat auch einen Newsletter. Hier erfährt man laufend Neuigkeiten über deren Denken & Arbeiten und erhält zudem zahlreiche kreative Tipps & Ansätze, die vielleicht für Ihre Innovationsarbeit hilfreich sein könnten.


in-manas: Nun weiß ich aber aus eurem Buch, dass eure Zusammenarbeit ähnlich wie in einem Kloster organisiert ist. Wie passt das zusammen? Ein Kloster erinnert doch mehr an einen ernsten, ruhigen Ort – mit "starren" Regeln und wiederkehrenden Ritualen?

Fried Grosse-Dunker: Wir haben uns zu Beginn unserer Gründungsphase "klassisch" organisiert ... und damals recht schnell gemerkt, dass uns diese "klassischen" Organisationsformen "kaputt" machen. Auch wir hatten schon angefangen, untereinander „Grabenkämpfe“ zu führen, Intrigen zu spinnen ... und, und, und. Von unserem Teamgeist, den wir an der d.school noch alle verspürten (Anm. d. Red.: der Hasso Plattner School of Design Thinking an der Universität Potsdam), war nicht mehr viel übrig. Deswegen haben wir uns auf die Suche nach neuen Organisationsformen gemacht, die den Gemeinschaftssinn wieder stärker ins Zentrum rücken. Und wurden am Ende fündig bei … Klöstern.

Klöster existieren schon seit Jahrtausenden als Organisationsform – teilweise mit sehr erfolgreichen wirtschaftlichen Betrieben im Hier und Jetzt. Und das hat uns fasziniert. Wir haben in der Folge mit Mönchen gesprochen, um zu verstehen, welche Prinzipien dort vorherrschen. Spaß und Spiel haben wir dort in der Tat nicht gefunden. Aber dafür sehr viele andere Dinge, die wir übernommen haben, um letztendlich diesen Gemeinschaftssinn, diesen Kollektivgedanken ins Zentrum zu stellen – und nicht die Gewinnmaximierung.

Ich würde also sagen, dass das Kloster für uns vor allem als Metapher für einen gelebten Gemeinschaftssinn steht. Wir streben nicht mehr nach Gewinnmaximierung, sondern wollen die Zufriedenheit der Mitarbeiter und der Gemeinschaft an erste Stelle setzen. Gewinne sind unserer Erfahrung nach dann ein willkommenes Nebenprodukt. In unseren geflügelten Worten heißt das dann: “Money follows happiness”. Das ist im Kern unser Verständnis von “New Work”. 

in-manas: Vielen Dank für den spannenden Austausch, Fried! Ich denke, die vielen guten Prinzipien aus dem Klosterleben, die ihr neben dem gelebten Gemeinschaftssinn in euer Unternehmen getragen habt, werden wir im nächsten Beitrag näher beleuchten. Dann aber umso genauer!

Also schauen Sie wieder "rein" - in unsere in-sights. Denn es erwarten Sie wieder spannende Antworten und Erfolgsbeispiele, die vielleicht auch Ihr Unternehmen bereichern könnten.

II

Und zum Abschluss noch ein kleines Quiz


FINDE DAS RICHTIGE WORT:


Zum Abschluss haben wir noch ein kleines Quiz aufbereitet, bei dem Ihr divergentes Denken "gefragt" ist. Suchen Sie zu den jeweils drei genannten Wörtern ein viertes, das zu allen passt.

Zum Beispiel:
Schirm, Stirn, Tasche

Lösung 
Lampe (=> Lampenschirm, Stirnlampe, Taschenlampe)


Bevor Sie loslegen, noch ein Hinweis:

Mit einem Klick auf die jeweilige Karte - oder auch mithilfe des blauen Wende-Buttons - können Sie die Lösung der Rückseite der Karte entnehmen. Sie haben zudem die Möglichkeit, eine Selbstbewertung vorzunehmen (siehe Daumen-Symbole). Doch unabhängig vom Ergebnis soll das Quiz einfach nur Spaß machen und unser divergentes Denken anregen ;-).

 

 


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[1] Jäger der Geistesblitze: Warum sind wir nicht alle Klimts, Rowlings oder Einsteins? Kreativität ist wohl der größte Trick unseres Gehirns. Einer, den es auch der Forschung nicht so leicht preisgibt.
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[2] spektrum.de: Lexikon der Psychologie:
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[3] Innovator´s Guide: Kreativität und Messung von Kreativität – die Ursprünge der modernen Kreativitätsforschung
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[\] Divergentes Denken bei Kindern – eine verkannte Fähigkeit: Divergentes Denken bei Kindern ist eine außergewöhnliche und zugleich natürliche Gabe, denn den Jüngsten hat noch niemand gesagt, was normal sei und was nicht.  
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[\]  Thank God it's Monday!
Design Thinking – Wie wir die Arbeitswelt revolutionieren
Broschiert 12. September 2014 von Dark Horse Innovation (Autor)
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Fried Grosse-Dunker
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Fried Grosse-Dunker ist Entrepreneur, Innovationsberater und Dozent. Er lebt seit 10 Jahren in Berlin und hat u.a. mit 29 Mitbegründern die Innovationsberatung Dark Horse aufgebaut. Im Rahmen unserer in-sights stellt er immer wieder unkonventionelle Ideen und Methoden vor, die aus dem Design-Thinking-Ansatz kommen.